Videoüberwachung per WLAN: Ein Schritt in die Digitalisierung oder unberechtigter Hype?

Ein Faktencheck des MONACOR-Experten Harald Buchholz


Auf dem Markt für private Sicherheitstechnik gibt es einen kleinen Hype um Überwachungskameras mit WLAN-Funktion. Denn mit WLAN verbinden viele erst einmal Komfort. Ist Videoüberwachung jetzt noch einfacher, noch unkomplizierter zu realisieren? Ist Videoüberwachung per WLAN das neue Nonplusultra? Fakt ist: Videoüberwachung für Privathaushalte wird immer günstiger und ist längst nicht mehr den großen Villen vorbehalten. Aber die Euphorie um die Verbindung von Videoüberwachung und WLAN sieht unser Experte für Videoüberwachungssysteme, Harald Buchholz, kritisch. Seine Meinung: WLAN macht vieles einfacher – Videoüberwachung aber nur in seltenen Fällen.


Videoüberwachung per WLAN ist unabdingbar, wenn Kabel nicht infrage kommen

Es gibt einige Szenarien, in denen Kabel keine Option sind. Ein paar Beispiele für derartige Szenarien:

  • Es handelt sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude.
  • Die Wände sind sehr hochwertig, entweder aus einem sehr hochwertigen Material oder sehr hochwertig beschichtet oder bemalt.
  • Es handelt sich um einen nachträglichen Einbau, bei dem Handwerker keine Wand mehr öffnen können oder dürfen, etwa bei Kühlhäusern oder Reinräumen.
  • Eine einzelne Videoüberwachungskamera reicht aus und steht zufällig in der Nähe eines Routers.
  • Offen sichtbare Kabel sind unerwünscht und auch eine Verblendung dieser Kabel kommt nicht infrage.
 

Kurz gesagt: WLAN-Videoüberwachungskameras sind etwas für besondere Projekte und somit eher Ausweichprodukte.

3 Gründe: Warum Videoüberwachung mit WLAN in der Praxis schwierig ist

Treffen die oben genannten Bedingungen nicht zu, sind Überwachungssysteme mit IP-Technologie oder klassischen Coaxial-Kabeln meist die bessere Wahl. Und zwar aus folgenden Gründen:
 

1. Viele Wände und wenige WLAN-Quellen ergeben zusammen ein Problem

Aufgrund der hohen Frequenz des WLAN dämpfen Wände das Signal besonders gut. Kommen dann noch Faktoren wie Fliesen an den Wänden dazu, wird es besonders schwer. Denn Fliesen sind lackiert und der Lack enthält Metallsalze, oft Titandioxid. Das ist eine ähnlich starke Abschirmung wie Aluminiumfolie. Es braucht also eine sehr gute Abdeckung mit WLAN. Das ist aufwendig, denn es bedeutet mehrere Repeater, die wiederum Strom brauchen und ein starkes Signal. Auch verschiedene andere Lacke und Wandbeschichtungen isolieren sehr gut.
 

2. Sind es mehrere Kameras, muss die WLAN-Infrastruktur hochmodern sein

Die Anzahl der angemeldeten Kameras im WLAN ist theoretisch unbegrenzt. Aber die Bilder von Videoüberwachungskameras sind heutzutage sehr groß und verursachen damit eine große Datenmenge. Es braucht also eine gewisse Bandbreite, um diese Bilder in einer akzeptablen Geschwindigkeit zu übertragen. Gehen wir nun von drei, vier oder gar mehr Kameras aus, sind eine große Bandbreite und – durch die Wände bedingt – Repeater nötig. Unterm Strich ist der Aufwand dann aber so hoch, dass eine kabelgebundene Lösung meist günstiger ist.

Vergessen wir nie, dass die Videoüberwachung nicht das einzige Element im WLAN ist. Streaming und andere Endgeräte, all das zieht Bandbreite.

 

3. Auch Videoüberwachungskameras, die per WLAN arbeiten, brauchen Kabel

Das liest sich auf den ersten Blick vielleicht selbstverständlich. Mir ist dieser Denkfehler aber häufig im Arbeitsalltag begegnet. WLAN-Videoüberwachung ist kabellos – aber nur in Bezug auf die Daten. Möchte ich eine Videoüberwachung in meinem Garten, brauche ich trotzdem noch Strom. Ich muss sowieso Kabel ziehen oder Steckdosen verlegen. Das ist vor allem in Außenanlagen ein großer Aufwand. So wiegen diese die Vorteile von WLAN-Kameras möglicherweise wieder auf.

 

 

Statt WLAN-Überwachungssystemen: Coaxial vs. IP-basierte Übertragung

Coaxial-basierte Videoüberwachungssysteme

  • Die meisten Installateure beherrschen diese Technik: Kabel und Stecker verbinden und crimpen, ansonsten Plug&Play.
  • Es gibt keine Qualitätsunterschiede zu digitaler Technik.
  • Die Modernisierung bestehender, veralteter Anlagen ist sehr einfach.
  • Neue Recorder passen fast immer auf die alten Kameras mit der gleichen Technologie.
  • Satelliten/Antennen-Leitungen sind statt Videoleitungen nutzbar, nur der Stecker muss getauscht werden.
  • Es sind Kabelstrecken bis zu 300 Metern umsetzbar.

IP-basierte Videoüberwachungssysteme

  • Die vorhandene Netzwerkinfrastruktur ist sofort nutzbar.
  • Keine Punkt-zu-Punkt-Verbindung nötig. Es muss nicht von jeder Kamera eine einzelne Leitung zum Recorder gehen. Nutzer können also den Recorder überall in ein bestehendes IP-Netzwerk stecken.
  • Die durchschnittliche Datenrate beträgt 7-10 mbit. Bei mehreren Kameras ist ein eigenes, in sich geschlossenes Netzwerk empfehlenswert.
  • Recorder mit PoE-Fähigkeit machen eine Spannungsquelle überflüssig. Eine IP-Kamera könnte mittels Power over Ethernet auch mit einem einzigen Kabel funktionieren, das sowohl Daten als auch Strom überträgt.
  • Die Leitungen sind dünner als bei Coaxial-Lösungen.
  • Es sind Kabelstrecken bis 100 Meter umsetzbar.

Wenn Sie in nächster Zeit planen, ihr Eigenheim oder Ihre Wohnung sicherer zu machen, habe wir eine gute Nachricht: Die KfW bietet große Zuschüsse in diesem Bereich. Wir haben die wichtigsten Informationen hier für Sie zusammengestellt:


Fazit: WLAN für Überwachungskameras ist meistens weniger ökonomisch, als man denkt

Die Kosten für eine Verkabelung liegen häufig deutlich unter denen für eine hochmoderne WLAN-Infrastruktur. Nur bei besonderen Projekten erweist sich WLAN als eine gute Ergänzung für Videoüberwachungskameras.
Bei der privaten Videoüberwachung ist eine kabel-basierte Lösung mit modernen, leicht bedienbaren Kameras und Recordern fast immer sinnvoller.


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