„Viele Produktideen kommen von unseren Kunden.“

Bei MONACOR nennen sie Hermann Helmke „unseren Daniel Düsentrieb“ – im Interview erzählt er, wie neue Produkte bei MONACOR entstehen

Wir besuchen Hermann Helmke auf unserem Firmengelände. Der Weg führt vorbei an Lagerräumen und Produktionshallen. Schließlich öffnet sich die Tür zum Entwicklungsbereich des Unternehmens. Ein großer Schreibtisch, vollgestellt mit technischen Zeichnungen und Messgeräten, dominiert den Raum. Hier sitzt Hermann Helmke von MONACOR und tüftelt an neuen Audio-Gadgets. In einem Fachgespräch erzählt er, wie er Ideen zu marktreifen Produkten macht und welche Herausforderungen er dabei zu meistern hat. Ein Blick auf die innovativen Produkte, die bereits das Sortiment von MONACOR bereichern, lässt erahnen, welche Kreativität und technische Expertise in diesem Raum vereint sind.

Wie bist du zur Entwicklung von Beschallungstechnik gekommen?

 

Ich habe als Jugendlicher schon Lautsprecherboxen für mich und meine Freunde gebaut. Zunächst aus Lautsprechern von ausgedienten Radios und Fernsehern – später dann aus Bausätzen von Elektronik-Versandhändlern. Die Boxen wurden größer und die vorhandenen Verstärker (z. B. Dual-Plattenspieler mit Verstärker) waren nicht mehr leistungsstark genug, auch nicht mehr für meine Hobby-Ansprüche. So habe ich durch Elektronik-Zeitschriften (wie „Elektor“) gelernt, wie ich ganz einfach NF-Leistungsverstärker bauen kann.

Du sagst das so einfach: Leistungsverstärker bauen. Das ging einfach so? Hattest du die Teile alle zur Verfügung?

Zu der Zeit kamen gerade Hybrid-Verstärkerbausteine auf den Markt, mit denen man mit wenigen externen Bauteilen Leistungsverstärker bauen konnte. In den folgenden Jahren habe ich die E-Gitarre für mich entdeckt. Also habe ich angefangen, auch Effekt-Geräte wie Fuzzer und Hallgeräte (damals noch mit Hallspirale) aus meiner privaten Passion heraus selbst zu bauen.

Diese jahrzehntelange Passion macht dich seit Jahren zu einem führenden Produktentwickler bei uns. Du hast zum Beispiel den TCB-22 aus dem MONACOR-Sortiment erfunden und entwickelt, ein 2-Kanal-Audio-Symmetrierer – wie sah der Prozess aus?

Der Anstoß für die Entwicklung war einerseits der Wunsch vieler Kunden nach so einem Gerät. Gleichzeitig hat uns immer ein Tool gefehlt, mit dem wir schnell überprüfen konnten, ob angeblich symmetrische Eingänge von Effektgeräten und Verstärkern tatsächlich symmetrisch sind. Einen Signal-Generator mit symmetrischem Ausgang gab es auf jedem Messplatz, aber das ist wenig flexibel, wenn man auch große Aktiv-Boxen testen möchte, ohne gleich die ganze Technik auf den Labortisch zu wuppen.

Ein Klassiker für jeden Erfinder: eine spezifische Alltagssituation einfacher machen. Also hast du überlegt, wie du das so lösen kannst, dass die Messung schneller und komfortabler geht?

 

Ja, ein Smartphone mit Kopfhörer-Ausgang hat fast jeder Techniker ständig griffbereit. So kam die Idee, einen passiven Symmetrierer in einer stabilen Stahlbox zu entwickeln. So kann man schnell mit einem 3,5-mm-Klinkenkabel eine Verbindung zwischen Smartphone und Symmetrierer-Eingang herstellen. Ein einfaches XLR-Kabel ist die Verbindung zwischen Symmetrierer und Testobjekt. Der Symmetrierer braucht so keine Quelle für die Spannungsversorgung.

Klingt eigentlich naheliegend. Gab es bestimmte Herausforderungen oder Hindernisse, die du dabei überwinden musstest?

Die größte Herausforderung war es, den Symmetrierer möglichst flexibel in der Anwendung zu gestalten. Trotzdem wollten wir eine gewisse Preisgrenze nicht überschreiten. Das ist der Unterschied zwischen der reinen Erfindung und der Produktentwicklung: Letztere muss am Markt bestehen und nicht nur ein Problem lösen.

Du hast auch den SLA-35 entwickelt, einen Stereo-Pegel- und -Impedanzwandler. Gab es ein spezielles Ereignis oder eine besondere Erfahrung, die dich dazu inspiriert hat?

 

Der SLA-35 ist genau genommen keine neue Entwicklung von mir, sondern eine Weiterentwicklung. Er basiert auf dem von einem früheren Kollegen entwickelten SLA-48. Der SLA-48 wurde zur Zeit der ersten CD-Player entwickelt. Im Gegensatz zu vielen andern Audio-Quellen, die einen Ausgangspegel von 100 mV bis 1 V hatten, betrug der Ausgangspegel der meisten CD-Player etwa 2Veff. Dadurch wurden viele Eingangsverstärker übersteuert und verzerrten durch Clipping. Das war damals der Anlass, einen Pegelwandler zu konstruieren. Um auch hier das Gerät möglichst flexibel einsetzen zu können, wurde daraus ein Pegel- und Impedanzwandler. Der SLA-35 ist also ein an unsere Zeit angepasstes Gerät.

Wie lange hat es gedauert, bis du den 2-Kanal-Audio-Symmetrierer und den Stereo-Pegel- und -Impedanzwandler entwickelt hast?

Den 2-Kanal-Audio-Symmetrierer habe ich innerhalb von 2 Wochen mit einer Musterplatine entwickelt. Der SLA-35 hat trotz vorhandener Schaltpläne und Vorgänger-Gerät etwas länger bis zur Fertigungsreife gedauert:

Ich wollte die Anforderungen möglichst vieler Kunden bezüglich der Funktionen und Gehäuse-Gestaltung berücksichtigen. Die Entwicklungszeit betrug ungefähr vier Wochen.

Du sprichst immer wieder von den Anforderungen an die Produkte. Woher kennst du die?

Viele Anregungen und Produktideen kommen ohne Umwege direkt von unseren Kunden. Aber es gibt auch immer wieder Produktentwicklungen, die den Zeitgeist aufnehmen. So haben wir uns schon lange mit Audio-Übertragungen über das Ethernet beschäftigt. Da gab es immer zwei große Herausforderungen:

  1. Die noch deutlich zu große Latenz zwischen Sender-Eingang und Empfänger-Ausgang und

  2. eine zu geringe Anzahl der zu übertragenden Audio-Kanäle durch eine niedrige Übertragungsrate der Netzwerke.

Wie hast du das für MONACOR gelöst?

Wir haben sehr viele Audio-over-Ethernet-Systeme getestet. Letztendlich hat uns aber das DANTE-Netzwerk überzeugt. In diesem Bereich haben wir inzwischen nicht nur zugekaufte Produkte vertrieben, sondern auch eigene Ideen umgesetzt und unter anderem Geräte wie DADC-144DT und PA-900DT entwickelt.

 

Eine Produktidee muss möglichst schnell und sicher am Markt realisiert werden. Produktverbesserungen können wir dann immer noch in einem Geräte-Update realisieren.

Was sind deine größten Herausforderungen ganz allgemein als Produktentwickler im Bereich der Beschallungstechnik

Ich muss ständig auf dem Laufenden sein, wenn es um neue elektronische Chips und andere Bauteile geht. Es gibt immer neue zeitgenössische Bauteil-Entwicklungen. Mit diesen neuen Bauteilen entwickeln wir mit entsprechender Fantasie und technischen Kenntnissen neue, noch nicht auf dem Markt vorhandene Geräte – es ist also eine dynamische Branche.

Wie hat die Arbeit als Produktentwickler deine Sicht auf die Musik- und Audioindustrie verändert?

 

Digitale Signalprozessoren verdrängen immer mehr bauteil-intensive analoge und digitale Effekt-Bausteine. Es ist unabdinglich, sich mit der DSP-Programmierung für eigene Produkte auseinanderzusetzen – das ist eine relativ neue Sicht auf Audiotechnik.

Mehr erfahren über die Zukunft der ELA-Branche? Lesen Sie jetzt unser Interview mit unserem Außendienst-Veteranen Michael Friedsam oder stöbern Sie durch unser Magazin rund um Beschallungstechnik.

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