100V-Lautsprecher: Seit Jahrzehnten unverzichtbar in der Beschallung

Das macht die 100-Volt-Technologie so spannend für Planer und Elektroinstallateure


Die 100-Volt-Technik hat ein findiger Elektriker vor Jahrzehnten dafür entwickelt, Ton über weite Strecken zu übertragen. Der Begriff „ELA-Technik“, also Technik, die eine Elektroakustische Anlage betreibt, und die Bezeichnung „100-Volt-Technik“ sind weitgehend synonym. Heutzutage nutzen wir diese Technik auch in Schulen, Supermärkten und bei Sprachalarmierung. Wir haben kurz zusammengetragen, was so effizient und attraktiv an der 100-Volt-Technik ist. Denn obwohl viele Handwerker davon schon einmal gehört haben, vergessen viele diese Technologie, wenn sie nur selten mit Beschallung zu tun haben. Wir finden: Schade! Denn die 100-Volt-Technologie löst viele Probleme und macht vieles leichter.

In Kürze: Diese Vorteile hat 100-Volt-Technik

  • kleinere Kabelquerschnitte und somit eine höhere Wirtschaftlichkeit der Anlage
  • simple Verkabelung durch Parallelschaltung
  • höhere mögliche Leitungslängen als bei niederohmigen Anlagen
  • deutlich weniger Spannungsverluste auf Kabeln im Vergleich zu niederohmigen Anlagen

Was ist 100-Volt-Technik und welches Problem löst sie?

Baumärkte, Hotels, große Büros, und Kaufhäuser haben alle eine Gemeinsamkeit: Sie sind weitläufig und brauchen deshalb viele Lautsprecher. Für ein System mit einem oder mehreren Verstärkern und sehr vielen Lautsprechern bräuchten Sie allerdings eine hohe Stromstärke. Das bedeutet aber dicke Kabel mit möglichst kurzen Kabelwegen. Derartige Kabel sind aufwändig zu verlegen und sehr teuer. Die 100-Volt-Technik löst dieses Problem.

Früher wurde bei der 100-Volt-Technik ein Transformator (auch „Übertrager“) zwischen ELA-Verstärker und 100-Volt-Lautsprecher geschaltet. Heutzutage ist dieser Übertrager bei ELA-Verstärkern bereits im Gerät verbaut. Er hebt die Ausgangsspannung des Verstärkers auf 100 Volt an. Vor (oder im) Lautsprecher ist nun ein weiterer Transformator geschaltet. Dieser bringt die 100-Volt-Spannung wieder auf einen für den Lautsprecher geeigneten Wert. Durch die hohe Spannung können Audiosignale auch über dünne Kabel und hunderte Meter ohne große Verluste übertragen werden.

Die 100-Volt(-ELA-)Technik löst Probleme bei langen Kabelwegen und vielen Lautsprechern.

Mit der 100-Volt-Technik können Sie bei Bedarf auch Lautsprecher nachträglich ergänzen, in dem sie einfach an das schon verlegte Kabel angeschlossen werden – also Lautsprecher für Lautsprecher unkompliziert an die Leitung „anklemmen“, fertig! Eine ganz einfache Parallelschaltung, bei der Sie nur die Gesamtleistung des Verstärkers beachten müssen.


100-Volt-Technologie verhindert Kabel-Chaos und komplizierte Berechnungen

Eine weitere Existenzberechtigung und riesiger Vorteil der 100-Volt-Technologie im ELA-Bereich ist:

Nie wieder Impedanzprobleme!

Sie können Lautsprecher einfach parallel schalten und kommen, sofern Sie die Gesamtleistung des ELA-Verstärkers beachten, nicht in die Gefahr, das Gerät durch eine zu geringe Anschlussimpedanz zu überlasten. Ohne die 100-Volt-Technik müssten Sie sich immer Gedanken um die angeschlossenen Lautsprecher-Impedanzen machen, damit Sie nicht irgendwann in einen für den Verstärker gefährlichen Betriebszustand kommen. Als Planer ist es sehr komfortabel, diese Berechnungen auch mal ausblenden zu können. Für die Planung der Verteilung von 100V-Lautsprechern im Raum müssen Sie kein Experte sein.

Ein weiterer Vorteil ist die einfache Verlegung der Kabel: Es gibt nur ein einziges 2-adriges Kabel – das geht in die Decke, und damit sind alle Lautsprecher verbunden. Schluss mit Kabeln, die sich irgendwo aufteilen oder an Wänden oder Fußleisten entlang führen. Das einzige, was Sie beachten müssen ist die maximale Ausgangsleistung des jeweiligen ELA-Verstärkers. Aber auch das ist einfach, wenn Sie dank der 100-Volt-Technik keine Widerstände mehr berechnen müssen. Wie viel Watt benötigen die Lautsprecher insgesamt? Einfache Antwort: Die Anschlussleistungen aller Lautsprecher werden addiert, fertig. 10 Lautsprecher, die 20 Watt „schlucken“? Der Verstärker sollte dann mindestens 200 Watt bereitstellen. Ein anderes Beispiel: Zwei Tonsäulen à 20 Watt + 10 Deckenlautsprecher à 3 Watt = 70 Watt. Allerdings ist es gut, wenn Sie 10–20 Prozent Luft nach oben lassen, also immer eine Leistungsreserve einplanen.


100-Volt-Technik hat nichts mit der Soundqualität zu tun – aber der Mythos hält sich

Ein Teil dieses Mythos ist, dass 100-Volt-Anlagen überwiegend Mono-Sound übertragen, also die „zusammengeführte“ Stereo-Summe aus linkem und rechtem Kanal. Wir haben viel zu häufig gehört: Stereosound = guter Sound. Aber Stereosound ist nur unter bestimmten Bedingungen gut, nämlich wenn die Hörposition zu den Stereo-Lautsprechern genau stimmt und möglichst konstant ist. Der Zuhörer müsste sich für einen optimalen Sound im gleichen Abstand zu beiden Stereo-Lautsprechern befinden. In der ELA-Welt ist das fast nie der Fall. Der Mono-Sound aus den Lautsprechern weist übrigens die gleichen Audioinhalte auf, wie der Stereo-Sound aus zwei Stereo-Lautsprechern. Die Audiokanäle sind nur zusammengeführt. Es gibt keinerlei Klangverluste, wie weitläufig angenommen.


Tipp: Höhere Ausfallsicherheit durch Ringleitung

Wird die Verkabelung nur mit Leitungsstrang A realisiert, führt eine Unterbrechung an Stelle U zum Ausfall der Lautsprecher 2 bis 4. Die Lösung: Eine Ringleitung. Sie führen einfach die Leitung vom letzten Lautsprecher wieder zurück zum Verstärker und verbinden sie in richtiger Polarität mit der abgehenden Leitung. So verhindern Sie einen Ausfall der Lautsprecher bei einer einzelnen Leitungsstörung.

Sie sind nicht auf Beschallungsprojekte spezialisiert, möchten aber in diesen Bereich einsteigen? Ihr Projekt ist unser Projekt! Deswegen haben wir für Sie Basiswissen zur Planung von Deckenbeschallung und zur Planung von ELA-Anlagen zusammengetragen.

Bildquelle Headergrafik: Deyan Georgiev – stock.adobe.com

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