Ende Oktober ist Tag des Einbruchschutzes – was bedeutet das?

Wolfgang Hofmann über Mentalitäten, Thementage und Trends in der Gebäudesicherheitstechnik


Wolfgang Hofmann ist Senior Product Manager bei MONACOR. Er ist seit 25 Jahren im Geschäft rund um Gebäudesicherheitstechnik tätig. Die Branche kennt er aus allen Perspektiven. Zum Tag des Einbruchschutzes haben wir ihn gefragt, was seine Branche gerade umtreibt – und was Thementage wie der „Tag des Einbruchschutzes“ noch bewegen können, um mehr Aufmerksamkeit für elektronischen Einbruchschutz zu erreichen.


Herr Hofmann, was ist der Tag des Einbruchschutzes?

Der Tag des Einbruchschutzes soll mehr Aufmerksamkeit für häusliche Sicherheitsmaßnahmen erwirken – sei es mechanisch, elektronisch oder durch achtsames Verhalten. Die Initiative K-Einbruch hat diesen Tag ins Leben gerufen. Das ist eine Initiative aus Errichterfirmen, Industrieverbänden, Versicherern und der Fachstelle für Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Schirmherr ist Horst Seehofer. Am Tag des Einbruchschutzes oder in der jeweiligen Woche gibt es in verschiedenen Städten Infoveranstaltungen, vor allem für Endverbraucher, aber auch für Errichter.

 

Ist der Tag des Einbruchschutzes für Fachleute in der Gebäudesicherheitstechnik relevant?

Das kommt wohl drauf an, wo Sie fragen. In Mittel- und Süddeutschland ist er eher bekannt, in der norddeutschen Sicherheitsbranche kennen ihn die wenigsten. Ich muss zugeben, dass ich selbst diesen Tag trotz meiner großen Erfahrung noch nicht lang kenne. Das ist schade, denn die Grundidee ist super. Gerade aufgrund unserer überdurchschnittlichen Einbruchsraten zum Beispiel in Bremen und Hamburg brauchen wir hier im Norden mehr Aufmerksamkeit dafür.

Relevant wäre der Tag auf jeden Fall. Als Sensibilisierung oder als fester Tag für Netzwerk- oder öffentliche Infoveranstaltungen.

Was kann so ein Tag bewegen?

Die Frage ist, welche thematischen Schwerpunkte die Initiativen setzen können oder wollen. Es sollte nicht nur darum gehen, dass man sich innerhalb der Branche mit Gleichgesinnten austauscht. Die Menschen, die es betrifft, sind noch viel eher von einem Tag des Einbruchschutzes angesprochen: die Endkunden. Noch immer denken zum Beispiel viele Haus- und Wohnungsbesitzer, dass Alarmmeldeanlagen und Videoüberwachungsanlagen sehr teuer sind. Das war in den 90er-Jahren so. Heute kann eine Videoüberwachungskamera direkt der nächste Schritt nach Jalousien oder guten Türschlössern sein – knapp 100 €.

Trotzdem steckt noch in den Köpfen, dass Sicherheitstechnik für zu Hause Luxus ist. Das ist eine Barriere. Hier könnte ein Tag des Einbruchschutzes mehr Aufklärung leisten.

Sehen Sie den Gesetzgeber mehr in der Pflicht, Sicherheitstechnik zu fördern?

Wir freuen uns natürlich, wenn Endkunden ihre Objekte durch staatliche Förderungen besser absichern können. Das hilft unseren Fachhändlern und Errichtern. Die KfW-Förderung für Einbruchschutz ist schon sehr gut, Endkunden kennen sie aber oft nicht. Sie gehen dann gar nicht erst zum Errichter, um sich beraten zu lassen.

Auf der Website der Initiative des Tags des Einbruchschutzes wirbt die Polizei für die KfW-Förderung für Einbruchschutz. Aber die Aktion ist zu unbekannt, die Kommunikation greift vielleicht auch noch zu kurz.

Warum greift die Kommunikation um den Tag des Einbruchschutzes zu kurz?

Das reine Angebot, etwa durch die KfW-Förderung, produziert noch keine Nachfrage. Dadurch ändern sich keine Mentalitäten. Alarmmeldeanlagen sind nicht mehr teuer, vor allem mit dem Zuschuss. Trotzdem hatten 2017 nur 5 % der Deutschen eine Alarmmeldeanlage.

Wir müssen den erweiterten Mehrwert von Sicherheitstechnik deutlicher kommunizieren.

 

Was wäre ein Beispiel für den erweiterten Mehrwert von Sicherheitstechnik?

Stellen Sie sich ein Ehepaar im hohen Alter vor, das nicht mehr so mobil ist und zu Hause lebt. Klingelt es an der Tür, können die beiden dank einer modernen Zutrittskontrolle sofort auf ihrem Smartphone sehen, wer vor der Tür steht. Die beiden können auch von ihrem Sessel aus die Tür öffnen oder die Türsprechanlage bedienen.

Altersgerechtes Wohnen schließt sicheres Wohnen aus unserer Sicht ein. 40 % aller über 60-Jährigen haben Angst, Opfer eines Einbruchs zu werden.

Das gilt nicht nur für Senioren, sondern auch für Menschen mit Einschränkungen. Letztlich hat Sicherheitstechnik das Potenzial, den Lebensraum barrierefreier zu machen. Das könnte ein Tag des Einbruchschutzes gut kommunizieren.

 

Andererseits sagen viele Endkunden, dass eine Videoüberwachung oder Alarmmeldeanlage niemanden aufhält, in mein Haus einzubrechen. Ich habe dann ein Video davon, aber der Schaden ist schon da.

Dazu kann ich drei Sachen sagen: Einerseits ist das Video eindeutiges Beweismaterial für Ihre Versicherung. Andererseits schrecken Videokameras und Alarmsirenen auch Einbrecher ab. Mit ein wenig Glück hilft das Video außerdem bei der Aufklärung der Tat. In Bremen liegt die Aufklärungsquote von Wohnungseinbruchdiebstahl bei 7,2 %. In Bayern sind es über 20 %. Ein Grund dafür könnte sein, dass es in Bayern mehr Wohneigentum und damit auch mehr private Videoüberwachung gibt. Ein wenig geht die Entwicklung schon zu mehr Sicherheitstechnik, vor allem durch einsteigerfreundliche Produkte wie die ECO-Line. Die Meinung zu öffentlicher Videoüberwachung wandelt sich bereits seit einigen Jahren – trotz Diskussionen um Datenschutz. Das könnte auf den privaten Raum abfärben.

 

Aber die Umsatzzahlen Ihrer Branche steigen. Irgendwas passiert also – ist Ihnen das zu wenig?

Das Interesse an Sicherheitstechnik hat durch die vermehrte Zuwanderung in den letzten Jahren zugenommen. Wir haben zwar objektiv in Deutschland so wenig Einbrüche wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Trotzdem hat das subjektive Sicherheitsgefühl eher abgenommen. Da hilft eine Videoüberwachung oder Alarmmeldeanlage, sich subjektiv sicherer zu fühlen. So richtig kann sich diese Nachfrage aber nicht entfalten. Weil viele wie gesagt nicht wissen, wie günstig Sicherheitstechnik sein kann – auch vom Profi-Errichter.

Außerdem müssen wir zwei Sparten streng auseinanderhalten: professionelle Sicherheitstechnik, vom Errichter montiert und konfiguriert, und die DIY-Alarmsysteme. Gerade der DIY-Markt wächst aktuell stark – das ist aber nicht unser Weg.

Die Entwicklung am Markt geht also zum Selbsteinbau?

Die Entwicklung geht vor allem hin zur Integration von Alarmtechnik in Smart Homes – und das sind dann oft DIY-Geräte. Das Problem ist, dass die Kombination aus Do-it-yourself, Alarmtechnik und Smart Home viel Raum für Fehlbedienung oder unzureichende Absicherung lässt. DIY-Smart-Home-Installationen mögen in Verbindung mit einem Audiosystem eine tolle Sache sein, aber Sicherheitstechnik übernimmt wichtigere Aufgaben. Wenn etwas falsch montiert oder konfiguriert wird, entsteht im schlimmsten Fall großer Schaden. Übrigens zahlt dann auch die Versicherung nicht.

 

Sie sehen DIY im Bereich der Alarmtechnik also grundsätzlich eher kritisch?

Es ist ein anderer Weg, der aus unserer Sicht unnötige Tücken hat. Qualifizierte Errichter wissen genau, was sie tun. Sie nutzen Technologien, die in sich geschlossene Systeme sind. Die sind sehr viel schwerer von außen zu beeinflussen. Mal ganz abgesehen davon, dass bei der professionellen Montage und Konfiguration durch einen Errichter hinterher auch alles funktioniert. Der Endkunde hat außerdem einen festen, kompetenten Ansprechpartner. Aus all diesen Gründen gehen wir den professionellen Weg.

 

Was meinen Sie mit „in sich geschlossene Systeme“?

Professionelle Anlagen vom Errichter sind zum Beispiel mit dem Smartphone verbindbar, aber bewusst nicht mit sprachgesteuerten internetbasierten Assistenten-Devices. Die sind ja gerade sehr beliebt, stellen aber massive Sicherheitslücken dar. Diese sprachgesteuerten Devices nutzen herstellereigene Dienste und dann noch mal Dienste von Drittanbietern. Endnutzer wissen meist gar nicht, wo und wie sie mit was genau verbunden sind. Außerdem sind derartige Geräte ohnehin ein Einstiegspunkt für Hacker, wenn sie nicht entsprechend konfiguriert sind.

Ein Hacker braucht nicht mehr meine Alarmanlage zu hacken, sondern nur noch das Device des Drittanbieters, das womöglich noch auf meinem Balkon steht.

Alleine dass diese Devices sprachgesteuert sind, ist eine mögliche Sicherheitslücke.

 

Smartphones können Sie auch per Sprache nutzen. Warum sind diese sprachgesteuerten Devices eine Sicherheitslücke?

Ihr Smartphone haben Sie einerseits meistens dabei, wenn Sie unterwegs sind. Andererseits müssen Sie Ihr Smartphone entsperren. Sprachgesteuerte Assistenten-Devices stehen im Haus herum und sind aktivierbar auf Zuruf. Wenn ich mit denen meine Alarmanlage scharf oder unscharf stellen und das Garagentor öffnen kann, ist das Weihnachten für einen Einbrecher. Der kundschaftet das Haus vorher aus und ruft dem Gerät dann einfach zu, was es machen soll. Es ist ja eine Sprachsteuerung, keine Stimmerkennung.

Ein sprachgesteuertes Device auf der Terrasse, das das Garagentor öffnen kann, ist das moderne Äquivalent vom Schlüssel unter der Fußmatte. Ein Tag des Einbruchschutzes sollte auf derartige Sicherheitslücken hinweisen.

Das ist der Grund, warum wir im Alarmbereich nur Profi-Anlagen vertreiben. Die sind geschlossen und sicher, müssen von einem zertifizierten Errichter, also einem ausgebildeten Elektroinstallateur, installiert werden. Eine Profi-Anlage kann zwar auch das Garagentor öffnen oder andere Funktionen im Haus steuern. Aber eben nicht über verschiedenste Drittgeräte, sondern nur über mein persönliches, entsperrtes Smartphone.

 

Der Trend geht aber klar zu solchen sprachgesteuerten Geräten hin, oft gar als Zentrum des Smart Homes. Wie gehen Sie als Fachmann damit um?

Ich würde mir wünschen, dass eine klare Trennung zwischen Entertainment und „unkritischer“ Haustechnik einerseits und Sicherheitstechnik andererseits gemacht würde. Ob Einbrecher meine Musikanlage bedienen können oder von mir aus auch den Ofen, ist mir egal. Er soll nur nicht den Türsummer oder das Garagentor bedienen können.

Mein Vorschlag: Sicherheitstechnik nur per Funktaster am Schlüsselbund oder Smartphone, alles andere im Smart Home von mir aus über einen Sprachsteuerungsassistenten oder eine Konsole im Haus.

Die Wettbewerber im DIY-Markt sind nur deswegen Wettbewerber, weil der Endkunde gar nicht so genau weiß, was der qualitative Unterschied zwischen DIY- und den Profi-Alarmsystemen vom Errichter ist.

Ein Tag des Einbruchschutzes könnte mehr Aufklärung für Mindestqualität leisten. Die KfW fördert Einbruchschutz nicht ohne Grund nur montiert durch zertifizierte Errichter, hat also eine ähnliche Haltung wie wir.

Herr Hofmann, vielen Dank für das Interview!


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