Mischen, Matrix, Multiroom: Diese Möglichkeiten bieten moderne ELA-Verstärker

Multiroom-Lösungen werden immer wichtiger – wir erklären die Möglichkeiten


Der „gute Verstärker“ ist schon lange nicht mehr der, der gut klingt. Dass Verstärker, auch im ELA-Bereich, klanglich optimiert sind, setzen wir voraus. Aber welche Arten von ELA-Verstärkern gibt es und welche Möglichkeiten haben Errichter und Planer damit? Wir haben unseren MONACOR-Experten Michael Dreis gefragt.



Voraussetzung für die richtige Wahl: Planen Sie vorher, welche Soundquellen in welchen Räumen wie laut sein sollen

Wie viele Räume, Zonen, Etagen möchten Sie mit einem einzelnen Verstärker beschallen? Das ist immer der erste und offensichtlichste Parameter, den es zu beachten gilt. Dazu kommt: Soll in den Räumen oder Zonen unterschiedliche Musik oder Durchsagen zu hören sein oder reicht es, dieselben Quellen bei unterschiedlichen Lautstärken zu übertragen? Diese Fragen müssen Sie sicher beantworten können, bevor Sie eine Multiroom-Lösung oder einen Verstärker auswählen.

Mischverstärker: Mehrere Soundquellen, eine gemischte Wiedergabe

Ein Mischverstärker hat mehrere Eingänge für unterschiedliche Audioquellen und kann diese auf einem Ausgang wiedergeben. Ein typischer Anwendungsfall ist Musikwiedergabe mit gelegentlichen Durchsagen. Mit dem Mischverstärker können Sie dafür beispielsweise Musik per USB/SD-Schnittstelle oder Radio abspielen und gleichzeitig ein Mikrofonsignal übertragen. Unterschiedliche Zonen mit individuellen Signalen zu beschallen ist mit einem Mischverstärker nicht möglich. Denn die „Mischung“ bezieht sich nicht auf die Zonen, sondern allein auf die Soundquelle. Die Unterschiede der verschiedenen Mischverstärker liegen vor allem in der Leistung.

Die gemischten Anschlüsse eines Mischverstärkers am Beispiel des PA-803DMP: Lautsprecher, Telefon, Mikrofone, Line-Signal, Music-on-hold-Ausgang („MOH“)

Die gemischten Anschlüsse eines Mischverstärkers am Beispiel des PA-803DMP: Lautsprecher, Telefon, Mikrofone, Line-Signal, Music-on-hold-Ausgang („MOH“)


Zonen-Mischverstärker: Mehrere Räume oder Bereiche mit gleichen Soundquellen, eine Endstufe

Wie der Name bereits sagt, können Sie mit dem Zonen-Mischverstärker verschiedene Zonen ansteuern. Auch hier sind die Soundquellen mischbar, wie beim Mischverstärker. Sie können aber nur genau diese Mischung der Soundquellen auf die verschiedenen Zonen übertragen. Etwa die gleiche Musik- und Sprachmischung in mehrere Gasträume.

Hier müssen wir zwei Konzepte unterscheiden:

Dabei sollten Sie unbedingt die Leistungswerte der Lautsprecher beachten. Es gibt ELA-Verstärker, die nur für wenige Zonen Ausgänge bieten, dafür aber eine hohe Leistung pro Zone bereitstellen. Ein Beispiel wäre eine Endstufe für sechs Zonen und einer Gesamtleistung von 600 Watt. Pro Zone stünden dann maximal 100 Watt zur Verfügung. Dann gibt es ELA-Verstärker, die weniger Leistung bereitstellen, aber viele Zonen erlauben – optimal für viele Zonen mit einer ruhigen Hintergrundbeschallung, etwa die Gastronomie oder Ladengeschäfte.

Die Anschlüsse eines 20-Zonen-Mischverstärkers am Beispiel des PA-2420Z: Oben links die verschiedenen Zonen/Ausgänge, unten rechts Eingänge für verschiedene Audioquellen. Darunter drei Eingänge für Mikrofon- oder Line-Signale über Kombibuchsen und zwei Stereo-Line-Eingäge über Cinch-Buchsen.

Die Anschlüsse eines 20-Zonen-Mischverstärkers am Beispiel des PA-2420Z: Oben links die verschiedenen Zonen/Ausgänge, unten rechts Eingänge für verschiedene Audioquellen. Darunter drei Eingänge für Mikrofon- oder Line-Signale über Kombibuchsen und zwei Stereo-Line-Eingäge über Cinch-Buchsen.


Zonen-Matrixverstärker: Mehrere unterschiedliche Räume oder Bereiche, die unterschiedliche Beschallung brauchen

Was aber ist nötig, um verschiedene Quellen in verschiedene Zonen unterschiedlich zu verteilen, also eine gemischte Multiroom-Lösung zu realisieren? Ein Beispiel dafür wäre eine Gaststätte oder ein Pub, die in einem Raum Public Viewing anbietet, in einem anderen Raum aber ruhige Hintergrundmusik für Gäste, die in Ruhe ihr Abendessen genießen. Zusätzlich möchte der Besitzer vielleicht Durchsagen machen, etwa ein Kennzeichen ausrufen.

Das funktioniert über eine Kreuzschiene oder Matrix, die das Audiosignal vom Eingang beliebig auf verschiedene Ausgänge verteilt. So bieten Zonen-Matrixverstärker maximale Flexibilität. Denn nur so kann der Errichter frei konfigurieren, in welchen Zonen welche Quellen wiedergegeben werden.

Die gemischten Anschlüsse eines Zonen-Matrixverstärkers am Beispiel des PA-4040: Rechts die vier autonom regelbaren Zonen, links drei Eingänge für Mikrofon/Line und zwei Stereo-Line-Eingänge.

Die gemischten Anschlüsse eines Zonen-Matrixverstärkers am Beispiel des PA-4040: Rechts die vier autonom regelbaren Zonen, links drei Eingänge für Mikrofon/Line und zwei Stereo-Line-Eingänge.


Beispiel, wie Sie einen ELA-Verstärker anschließen und einstellen: Gastraum mit Musikanlage, Veranstaltungsraum für Public Viewing und Durchsagemöglichkeit per Mikrofon

Wir wählen für die jeweiligen Kanäle in diesem Beispiel folgende Konfiguration:

  • Eingang 4 als Eingang für die CD-Beschallung des Gastraumes
  • Eingang 1 als Eingang für ein Mikrofon, mit dem Durchsagen möglich sind
  • Eingang 5 für den Fernsehton des Public Viewings

Des Weiteren bestimmen wir für dieses Beispiel, dass wir diese zwei Räume gleichzeitig beschallen:

  • Zone 1 als Hauptraum für die Gastronomie
  • Zone 4 für den Veranstaltungsraum

Ist hinten alles verkabelt, sind also die drei Eingänge des Verstärkers bestückt, weisen Sie an der Front des Gerätes die jeweiligen Zonen zu.

Am Beispiel des PA-4040 geht das so:

  • Drücken Sie an der Front des Verstärkers im Bereich „CH5“ den Knopf „Z4“
  • und bei „CH4“ entsprechend „Z1“.
  • Für das Mikrofon, das überall hörbar sein soll, drücken Sie „Z1“ und „Z4“.

Die Front eines Zonen-Matrixverstärkers
am Beispiel des PA-4040.

Die Front eines Zonen-Matrixverstärkers
am Beispiel des PA-4040.


Für Zonen-Matrixverstärker gibt es viele Einsatzgebiete:

  • Sie können ein Tagungszentrum mit vier Konferenzsälen und einem Durchsage-Mic gleichzeitig von einem Verstärker aus beschallen.
  • Sie können Fitnessstudios mit unterschiedlichen Zonen beschallen.
  • Sie können große Hotelanlagen mit unterschiedlichen Räumen und Bereichen flexibel beschallen.
  • Sie können verschiedene Loungebereiche von Diskotheken beschallen. Für Diskotheken ist allerdings die Leistung von Zonen-Matrixverstärkern oft nicht ausreichend. Dafür benötigen Sie ggf. zusätzlich einen Leistungsverstärker.

Leistungsverstärker: Der Klassiker

Das Prinzip ist einfach: Das am Eingang anliegende Audiosignal wird verstärkt am Ausgang wiedergegeben – das ist die ursprüngliche Definition eines (Leistungs-)Verstärkers. Diese Verstärker sind auch heute noch unabdingbar. Zonen-Leistungsverstärker müssen sorgfältig ausgewählt werden, denn häufig kommen Sie in großen Beschallungsszenarien eher an eine Leistungsgrenze, als das die Anzahl der Zonen nicht ausreicht. Einige Zonen-Matrixverstärker stellen nur eine geringe Leistung wie beispielsweise 40 Watt pro Zone zur Verfügung. Für eine Zahnarztpraxis mit drei Behandlungsräumen und einem Wartezimmer kann das ausreichend sein, für eine Großraumdisco eher nicht. Das bedeutet aber nicht, dass der PA-4040 (oben im Bild) keine gute Wahl ist – denn Sie müssen trotzdem unterschiedliche Quellen auf unterschiedliche Räume verteilen. Der Leistungsverstärker hilft lediglich, genug Power auf die verschiedenen Zonen zu transportieren.

Zonen-Matrix- oder Mischverstärker haben in der Regel für jede Zone auch einen Line-Ausgang zum Anschluss von Leistungsverstärkern. Durch einen Leistungsverstärker ist das Beschallungssystem erweiterbar, ohne dass Sie den Verstärker austauschen müssen.


Audio-Matrix-Systeme: Durch den Systemgedanken sind bis zu 32 Zonen und somit große Multiroom-Lösungen möglich

Große Messehallen oder Hotelanlagen brauchen manchmal sogar mehr als 10-20 Zonen. Sogenannte Audio-Matrix-Systeme ermöglichen das. Diese Geräte haben oft acht Eingänge und acht Ausgänge. Sie sind aber kaskadierbar, um noch mehr Zonen zu ermöglichen. Das bedeutet, dass die Zahl der Ausgänge durch weitere an das Gerät angeschlossene Audio-Matrix-Systeme erweiterbar ist. Eine Master-Slave-Funktion bestimmt, welches das „Hauptgerät“ ist, das weitere Geräte steuert und welches die „Nebengeräte“ sind, die der Master steuert. Bis zu drei weitere gleichwertige Audio-Matrizen können angeschlossen werden. Das ergibt dann bei acht Eingängen vier mal acht Ausgänge und somit 32 Zonen – was selbst für größte Beschallungsszenarien, etwa Multiroom-Lösungen in großen Wellnessanlagen, meistens ausreicht. Zusätzlich bringen diese Audio-Matrix-Systeme weitere Funktionen mit.

Errichter können diese Systeme unter bestimmten Voraussetzungen mit Feueralarmen koppeln und flexibel erweitern.
Audio-Matrix-Systeme benötigen allerdings immer zusätzliche Leistungsverstärker, sofern Sie nicht mit Aktivlautsprechern arbeiten.

Noch mehr Modularität in sehr großen Systemen erreichen Sie durch 100-V-Übertrager. So können Sie ein 100-Volt-Audiosignal aus der ELA-Anlage an weitere Geräte mit Line-Eingang weiterleiten.

Die Anschlüsse eines Audio-Matrix-Systems am Beispiel des ARM-880.

Die Anschlüsse eines Audio-Matrix-Systems am Beispiel des ARM-880.

Moderne, kaskadierbare Matrix-Systeme bieten maximale Flexibilität für kleine und große Multiroom-Lösungen. Benötigen Sie Hilfe bei der Planung eines (Mehrzonen-) Projekts oder haben Sie Fragen zu bestimmten Beschallungsszenarien? Dann hilft Ihnen unser Audio Solution Guide oder unser Technisches Projektmanagement.

Bildquelle Headergrafik: kritchanut – stock.adobe.com

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