Kirchenbeschallung und Audiotechnik im Denkmalschutz

Michael Krebbing über die Beschallung von Gotteshäusern – und warum sich Planungshilfe lohnt.


Es gibt in Deutschland rund 45.000 Kirchen – katholische und evangelische Gotteshäuser zusammengefasst. Dazu kommen ungefähr 2.750 Moscheen und etwa 130 Synagogen. Diese Häuser haben alle eines gemeinsam: Gesang, Musik oder Sprache – also Töne – müssen von A nach B. Für Errichter ist das herausfordernd, weil die Budgets der einzelnen Gemeinden begrenzt und die Räumlichkeiten meist akustisch äußerst schwierig sind. Das gilt auch allgemein für historische, denkmalgeschützte Gebäude: hohe Anforderungen bei wenig Spielraum. Bei MONACOR unterstützen wir Errichter bei der Planung und Angebotserstellung oder vermitteln der Gemeinde einen unserer langjährigen Partner-Errichter. Michael Krebbing gibt einen Einblick in seine Gedanken zur Kirchenbeschallung.


 

Sie sind Errichter und planen ein Projekt in der Kirchenbeschallung? "Im Technischen Projektmanagement unterstützen wir Sie gerne. Anderen Interessierten vermitteln wir einen Errichter, mit dem wir Ihr Beschallungsprojekt gemeinsam umsetzen."
- Michael Krebbing

Die Nachfrage nach professioneller Kirchenbeschallung steigt

Immer mehr Verantwortliche in Gotteshäusern interessieren sich für eine moderne Beschallung ihrer Gemeinde. Und auch die angeschlossenen Gemeindehäuser benötigen immer häufiger ELA-Anlagen oder Sprachalarmierungssysteme. Das Warum ist schnell erklärt: Die Gemeinden öffnen sich, beziehen die Nachbarschaft immer mehr ein – etwa durch Feste, Lesungen, Konzerte, Diskussionsrunden.

Welche Fragen sollten Sie sich als Errichter am Anfang des Projektes stellen?

Ein erster Schritt ist immer eine komplette Bestandsaufnahme der Gebäude und die Klärung zentraler Fragen:

  • Ist die Kirche denkmalgeschützt?
  • Gibt es Urheberrechtsansprüche von Architekten oder deren Nachfahren?
  • Wofür sollen die Räume genutzt werden? Sprache, klassische Musik, die rein akustisch gespielt wird, Konzerte mit elektrisch verstärkten Instrumenten?
  • Gibt es ein Nutzungskonzept?
  • Wie wichtig ist die Optik? Darf die ELA-Anlage oder die Beschallungstechnik zu sehen sein?
  • Ist das Gemeindehaus Teil des Auftrages?
  • Benötigt das Gemeindehaus eine gesetzlich vorgeschriebene Sprachalarmierungsanlage?
  • Wie hoch ist das Budget und wie viel Spielraum gibt es?

Was ist bei einer Kirchenbeschallung möglich?

Was im Rahmen einer Kirchenbeschallung möglich ist, entscheiden wir am liebsten mit dem Errichter direkt vor Ort. Dann begehen wir gemeinsam die Kirche und klären im ersten Schritt die wichtigsten Fragen. Bei einem Neubau oder einer Kernsanierung besichtigen wir am besten schon den Rohbau. Nach dieser Besichtigung wissen wir, was technisch möglich ist. Ein Line-Array ist zum Beispiel sehr schwer und hat durchaus einen Einfluss auf die Statik. Es ist daher schwierig, Line-Arrays in Kirchen oder denkmalgeschützten Gebäuden zu installieren. Sie sind daher in denkmalgeschützten Gebäuden selten sinnvoll installierbar – obwohl es in akustisch herausfordernden Umgebungen oft eine interessante Option wäre. Eine Möglichkeit für sehr schwergewichtige Lautsprecher ist eine Traverse. Das geht wiederum nur, wenn nichts dagegen spricht, dass die Beschallungstechnik eindeutig sichtbar ist.

Hilfreich ist ein Plan vom Architekten – der ersetzt aber niemals die Begehung gemeinsam mit dem Errichter.

Kommunikation und Empathie sind bei der Planung immer wieder der Schlüssel

Steht das Gebäude unter Denkmalschutz, klären Sie als Errichter früh ab, ob alles unter Denkmalschutz steht – oder nur Teile des Gebäudes. Bei Kirchen ist es oft nur die Außenfassade. Beziehen Sie Ihren Ansprechpartner in der Denkmalpflege transparent in den Planungsprozess mit ein. Hören Sie dem Denkmalpfleger zu. Weil es bundesweit keine einheitlichen Regelungen gibt, hängt auch viel von der Person ab, mit der Sie sprechen – es gibt durchaus einen „Nasenfaktor“. Auch je nach Bundesland gibt es Unterschiede in den Regularien. Oft hilft es, wenn wir für das zuständige Amt die Planung visualisieren oder sogar mit entsprechenden Entscheidern aus den Behörden durch das Gebäude gehen. Häufig möchten zuständige Behörden Kompromisse zwischen Akustikmaßnahmen, Budget und Denkmalschutz finden – aber Beschallung funktioniert eben wenig mit Kompromissen: Entweder ich verstehe, was der Prediger vorne sagt, oder nicht.

Technisch ist also fast alles möglich – Budget, optische Ansprüche und die Strenge des Denkmalschutzes bestimmen, was wir dürfen.

Sie suchen Ideen für effiziente Beschallungstechnik bei Gotteshäusern? Hier sind zwei Beispiele für Kirchen und Moscheen.

Was wir bei der ersten Begehung für eine Beschallung in Kirchen gemeinsam mit dem Errichter feststellen

Am wichtigsten bei der Begehung für eine Kirchenbeschallung sind vier grundsätzliche Fragen:

  1. Wo können Lautsprecher sein?
  2. Wo sind Kabelwege möglich – sowohl baulich als auch optisch?
  3. Wo können wir Schränke platzieren, die unauffällig die Technik aufnehmen?
  4. Welche Soundquellen gibt es, abgesehen vom Pastor oder Priester: Abspielgeräte, Orgel, Instrumente, einen Chor?

Der größte Planungsbedarf bei Kirchenbeschallung ist auf die Akustik zurückzuführen

Typische Gotteshäuser, also Kirchen, Moscheen, Synagogen, sind tontechnisch aus heutiger Sicht eine Katastrophe. Der Architekt hatte aber damals gute Gründe, die Akustik exakt so zu planen. Es sollte durch die Akustik etwas transportiert werden. Der Pastor oder Priester spricht wie in einen Trichter und klingt voller, die Predigt klingt erhabener. Die Herausforderung bei einer Kirche ist deswegen heute vor allem der Nachhall. Den können wir nicht eliminieren. Wir können aber Messgeräte und Software einsetzen, um den Hall und andere Details zu berechnen. Auf dieser Basis können wir die Lautsprecher so auswählen, dass alles deutlich aufgeräumter und kontrollierter klingt.

Die Alternative zu einem relativ kostenintensiven Line-Array ist eine gut geplante Mehrpunktbeschallung.

Bei einer Mehrpunktbeschallung müssen wir mit einer Laufzeitverzögerung arbeiten, die Basis dafür sind dann die sorgfältigen Messungen in der Kirche. Der Schall-Delay in einer 50 Meter langen Kirche ist schon signifikant, wenn auf 10 oder 20 Metern versetzt Lautsprecherboxen aktiv sind. Aber bei einer Mehrpunktbeschallung braucht es eben auch mehr als nur zwei Lautsprecher für ein gutes Ergebnis.

 

Tipp: Für eine bessere Akustik in denkmalgeschützten Gebäuden ist ein Vorhangsystem vielleicht eine Option. Verschiebbare Akustik-Vorhänge im Inneren verändern am Gebäude baulich fast nichts und machen klanglich einen großen Unterschied. Das Gleiche gilt für mobile Akustik-Stellwände. Derartige Akustikmaßnahmen sind auch nicht unbedingt Luxus, sondern können absolut notwendig für die Sprachverständlichkeit der Sprachalarmierungsanlage sein.

Meist ist es sinnvoll, direkt zwei Lösungen vorzustellen

Planer und Errichter sollten gemeinsam zwei Lösungen vorstellen, mit allen Vor- und Nachteilen. So hat der Entscheider nicht zu viel Auswahl, wird aber auch nicht vor vollendete Tatsachen gestellt.

Eine der Lösungen ist eine klassische ELA-Anlage mit entsprechenden 100-Volt-Lautsprechern – in der Regel reicht das für die normale Kirchenpraxis mit einer Orgel aus. Eine professionellere Lösung besteht aus Lautsprechern der PAB-Serie. Diese Lautsprecher sind sehr zurückhaltend im Design und trotz ihrer Stärke noch recht klein. Dazu braucht es ein Mischpult.

Mit unseren PAB-Lautsprechern können Errichter in fast jeder Kirche durch eine Mehrpunktbeschallung eine Kirchenbeschallung umsetzen.

Für eine barrierefreie Kirche: Hörunterstützung und Übersetzung

Mit einer Induktionsschleife können wir den Sound von einer Soundquelle direkt an Hörgeräte übertragen. Publikum, das auf die Hörgeräte angewiesen ist, kann sich dank Drahtlostechnik innerhalb der Induktionsschleife frei bewegen. Wenn wir eine induktive Höranlage nutzen, verlegen wir eine Induktionsschleife, meist im Fußboden, in der Wand oder in der Decke, und steuern diese über einen Stromverstärker an.

Diese Infrastruktur können wir auch für eine Übersetzung nutzen, falls die Gemeinde sehr international ist.

Auf mehreren Kanälen können verschiedene Sprachen übermittelt werden. Voraussetzung ist dann ein entsprechender Induktivempfänger.

Unterschätzen Sie Projekte in der Kirchenbeschallung nicht: Die Unterschiede der Kirchengebäude sind enorm.

Es gibt natürlich wiederkehrende Muster, aber die Variablen sind zahlreich. Für alle, die sagen, Kirchen seien immer gleich, gebe ich zweierlei zu bedenken: Einerseits ist es ein großer Unterschied, wie hoch die Decke ist, wie viele Menschen gewöhnlich zu den Veranstaltungen kommen und wie breit die Kirche ist – da gibt es keinen Standard, auch nicht bei Kirchen. Andererseits gibt es neben Moscheen und Synagogen schließlich immer mehr Freikirchen. Das bedeutet: Gebäude, in denen eine Religion ausgeübt wird, die aber alles sein können, ein altes Vereinsheim oder eine stillgelegte Lagerhalle. Hier gibt es oftmals auch Musik von einer Band. Dies erfordert dann die Planung einer hochwertigen ELA-Anlage, oder wir bewegen uns bereits im Bereich der Niederohm-Lautsprecher – darüber spreche ich gerne mit Ihnen.

Sei es eine mobile Beschallungslösung oder die Planung von Deckenlautsprechern – wir unterstützen Errichter bei der Produktauswahl und Planer bei ihren Projekten. Kontaktieren Sie unser Technisches Projektmanagement.

Bildquelle Headergrafik: © jeremetok – stock.adobe.com

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