„Es fehlt dramatisch an Wissen im Bereich der Beschallungstechnik."

Auf einen Kaffee mit Thomas Saucke, Key Account Manager Nord bei MONACOR INTERNATIONAL


Winter in Bremen. Spätnachmittag. Der Hauptsitz von MONACOR INTERNATIONAL in Bremen-Mahndorf ist schon recht ruhig, ab und zu geistern Mitarbeiter durch die Flure. Thomas Saucke sitzt im Showroom und trinkt (tatsächlich!) Kaffee. Er ist ein erfahrener Experte für kommerzielle Audio-Installationen und hat von der Kleinst-Gastronomie bis zum Mega-Vergnügungspark schon überall Lautsprecher untergebracht, wo Sound denkbar wäre. Wir reden mit ihm über spannende Projekte, Architektur, Pragmatismus und den Fachkräftemangel.

Moin, Thomas! Welches Problem haben eigentlich Bahnhöfe? Da ist die Qualität der Beschallung, der Sprachdurchsagen, immer schlecht.

 

Bahnhöfe sind sehr schwierig. Der Störschallpegel ist extrem, die Akustik sehr schlecht. Da sind viele Menschen, die Geräusche machen, es fahren Züge ein, die sehr laut sind, und es sind gigantische Hallen, manchmal halb offen. Und diese Hallen sind auch sehr schallhart – Beton und Glas überall. In einer Bahnhofshalle können Sie auch schlecht Messungen vornehmen.

Nachhall misst man zum Beispiel mit einer Schreckschusspistole und einem Messmikrofon. In einer Bahnhofshalle ist es aber nie leer. Da können Sie nicht einfach einen Schuss abgeben.

Flughäfen haben ja zumindest Innenräume, die geschlossen sind, im Gegensatz zu verschiedenen Gleisen. Trotzdem schwierig?

Trotzdem, ja. Viele Menschen, große Hallen, viel Gewusel. Gerade Sprachverständlichkeit leidet darunter. Und dann sind viele Flughafengebäude auch mit einem gehobenen Anspruch an Architektur gebaut, das hilft auch nicht immer.

Steht ein gehobener Anspruch an Architektur einer guten Audio-Installation entgegen?

Nein, das muss sich nicht ausschließen. Aber es erfordert besonders gute Zusammenarbeit von Technikern, Planern und Architekten. Die Experten für Ästhetik wollen zum Beispiel oft viel Glas, oft glatte, zusammenhängende Steinflächen wie Marmor. Das ist akustisch immer herausfordernd. Sodann müssen Lautsprecher zu den Lichtsystemen passen.

Das ist nicht Architektur „gegen“ Audiotechnik, eher Ästhetik gegen Pragmatismus – und dann will man noch im Budget bleiben.

Zudem gilt es noch die gesetzlichen Anforderungen an Sprachalarmierung nach EN-54 zu erfüllen. Ein großer Filialist hängt 100–130 Deckenlautsprecher mit Sprachalarmierungsanlage auf. Da muss das Preis-Leistungs-Verhältnis auf einem ganz schmalen Grad sein. Da gibt es dann auch viele Normen, die Planer einhalten müssen. Viele Elektroniker und Haustechniker nehmen da bei der Planung und auch bei der Produktauswahl gerne Hilfe an.

Ein guter Stichpunkt: Wie stark bist du als Außendienstler in die Planung der Audioinstallation involviert?

Manchmal nur beratend, oft sehr stark. Aber häufig leiste ich starke Planungsunterstützung, auch mit Zeichnungen für das Konzept. Ich bin auch zertifiziert als Fachkraft für Sprachalarmanlagen nach VDE-0833-4  und DIN-14675. Das freut unsere Kunden immer. Denn die Planungsbüros für technische Gebäudeausrüstung sind selten auf Beschallung spezialisiert.

Welche anderen Beschallungsszenarien sind besonders komplex?

 

Jedes Beschallungsszenario ist anders, jeder Raum ist speziell. Spannend ist es immer, wenn sehr viele Zonen sehr individuell sein müssen. Ich habe aktuell ein Projekt mit 16 verschiedenen Massageräumen, gehobene Ansprüche, alle mit individueller Beschallung, die gleichzeitig noch Sprachalarmierung sein muss. Dann gibt’s ein Schalterkonzept und die Lautsprecher dürfen alle nur eine bestimmte Farbe haben. Das muss im Kopf erst mal wachsen, bevor ich anfange zu zeichnen. Da muss ich Schnittstellen einkalkulieren, da muss ich telefonieren, das ist dann eine Komplettlösung, die einige Wochen Planungszeit kostet. Ansonsten ist Outdoor auch nicht immer ganz einfach.

Hast du Beispiele für Outdoor-Projekte?

Vielleicht zwei Beispiele: Freizeitparks sind eine Herausforderung. Das ist komplett unter freiem Himmel. Die Herausforderung bei Freizeitparks ist, überspitzt gesagt, folgende: Die Lautsprecher stehen im Dreck, bei Regen, Wind in der hässlichsten Ecke – unter den schlimmsten Bedingungen für Technik. Ich habe bereits mehrere Freizeitparks bedient. Wir haben sogar Lautsprecher extra dafür modifiziert, damit sie an diese „extremeren“ Konditionen angepasst sind.

Vorgabe des Kunden: Trotz sämtlicher Belastungen über viele Monate muss der Lautsprecher klingen wie am ersten Tag. Auch bei der Sprachverständlichkeit. Durchsagen können sicherheitsrelevant sein.

Und das andere Beispiel für ein komplexes Beschallungsprojekt?

Ein bekannter Bremer Fußballverein wollte den A- und B-Platz mit einer Beschallungsanlage ausrüsten. Dort wird das Audio-Routing über LWL-Leitungen gemacht, die ich geplant habe. Auf dem A-Platz haben wir nur das Routing gemacht, auf dem B-Platz auch die Beschallung selbst. Nach den speziellen Vorgaben des DFB. Eine Herausforderung für die Beschallung ist, dass du flächendeckend 95 dB Lautstärke erreichen musst. Über den gesamten Sportplatz auf 1,70 Meter Höhe. Da kommen Druckkammerlautsprecher und Line-Arrays kombiniert mit klassischen 2-Wege-Lautsprechern zum Einsatz. Die Herausforderung wieder: Outdoor, die Sprache muss verständlich sein, und es ist eine sehr große Fläche mit hoher Lautstärke, aber eben auch die Vorgaben des DFB für einen Profi-Platz sind zu erfüllen.

Die UEFA hat auch noch mal eigene Richtlinien für die Beschallung von Fußballplätzen. Die Tribünen reflektieren sehr stark den Schall, das war echt ein herausforderndes Projekt.

Wer sollte denn dieses Wissen um die Planung von Beschallung im besten Falle haben, wenn du sagst, dass selbst die Planer da Hilfe brauchen? Du als Key Account Manager doch eigentlich nicht?

Das ist schon fast eine kontroverse Frage. Denn es fehlt im Bereich der Beschallungstechnik dramatisch an Ausbildung. Radio- und Fernsehtechniker werden ja nicht mehr ausgebildet. Deswegen fehlt oft das Wissen im Bereich Audio-Installation. Es gibt zwar Elektrotechniker von der Uni, die haben viel beeindruckendes theoretisches Wissen. Aber das sind Ingenieure, es fehlt an Praxis. Letztlich wird es dem „Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik“ aufgebürdet – aber die haben in Projekten völlig andere Sorgen als Deckenlautsprecher und Wandlautsprecher. Es gibt Ausnahmen, die audio-affin sind. Aber das sind eher Überzeugungstäter, die auch zu Hause an Lautsprechern tüfteln, nicht die Regel.

Es bräuchte also einen neuen Ausbildungsberuf dafür? Den ausgebildeten „Elektroniker für Beschallungstechnik“ zum Beispiel?

 

Ja, schön wär’s. Es gibt einige Facherrichter für Audiotechnik, die ihr Wissen auch weitergeben. Aber das sind deutschlandweit viel zu wenig. Früher haben die Azubis im Bereich Radio- und Fernsehtechnik das mitbekommen, aber dieses Handwerk stirbt aus.

Was ist dein wichtigstes Werkzeug, im weitesten Sinne?

Gerade wenn ich früh im Bauprozess berate und plane, ist räumliches Vorstellungsvermögen wichtig. Ich stehe dann früh mit auf der Baustelle und muss anhand der Bauzeichnungen die Beschallung planen. Da muss man auch mal gemeinsam mit einem Kollegen drauf gucken. Ich freue mich, dass ich hier bei MONACOR so viele gute Leute mit verschiedenen Kompetenzen habe.

Wie bist du zu MONACOR gekommen?

Es war ein langer Weg, ich war erst selbstständig und dann woanders. Aber ich bin mit MONACOR groß geworden und kenne die Marke schon seit meiner Ausbildung. Damals gab es noch einen großen, dicken Katalog. Und es war klar: Deckenlautsprecher? MONACOR!

Bist du eher Planer oder Vertriebler?

Ich bin kein Verkäufer. Nicht im klassischen Sinne. Ich höre unseren Kunden zu, lasse mir erzählen, was gebraucht wird. Viele Kunden rufen inzwischen von selbst an. Dann setze ich mich hin und rede mit den Beteiligten.

Ich preise keine Features an, sondern bediene die Bedürfnisse des Kunden. Ich biete in erster Linie die richtigen Funktionen, kein Produkt.

Hat sich die Marke MONACOR seit damals verändert?

Wir werden langsam, aber stetig immer mehr zum Komplettlösungsanbieter. Das wächst gerade und kommt nach und nach bei den Kunden an. Zuverlässigkeit ist ein Wert bei MONACOR-Produkten, der sich nicht verändert hat. Unsere ELA-Wandlautsprecher hängen teilweise seit Jahrzehnten und funktionieren einfach.

Aber die Branche verändert sich, oder?

Es wird digitaler. Was bleibt, ist: Aus einem Lautsprecher soll Musik rauskommen, manchmal Sprache, das ist das Wichtigste. Es verbreitet sich aber auch immer mehr Halbwissen. Beschallung ist nicht einfach – Kompetenz von Halbwissen zu unterscheiden wird wahrscheinlich schwieriger. Da bleibt es ein Geschäft zwischen Menschen in Präsenz.

Warum ist Präsenz besonders wichtig?

Wenn jemand einen großen Konferenzraum mit hochwertiger Konferenztechnik ausgestattet hat und niemand den Referenten vorne hört, kannst du das nicht im Internet prüfen.

Du brauchst einen Profi vor Ort, der sich das Set-up anguckt, misst, Gespräche führt und Simulationen macht. Weil es auch eine Vertrauenssache ist. Und Vertrauen baut sich besser in echten Gesprächen vor Ort auf. Beispiel DANTE. Die Technik ist toll, einige Anwendungsbereiche sind damit viel einfacher als vorher. Aber sie ist auch beratungsintensiv und hochgradig erklärungsbedürftig. DANTE ist keine Lösung für alles. Da muss Programmierarbeit einfließen. Da ist Konzept und Technik hinter, das sieht der Anwender nicht und das will auch nicht jeder Anwender zahlen.

„Kundenbetreuung während der Pandemie war spannend. Wir wollten es in Präsenz halten und haben uns mit Kunden in Grünanlagen getroffen. Einmal waren wir mit einem Kunden unter einem Carport und es hat angefangen, stark zu gewittern. Das sind Termine, die im Kopf bleiben.“

Noch mal zurück zur Branche und Veränderungen: Wie wünschst du dir die Zukunft der Audio-Installation?

Ich glaube, ein Erfolgsrezept für die Zukunft ist, dass Beschallungstechnik einfacher für den Nutzer wird. Zum Beispiel in der Gastronomie. Da muss der Service im Haus die Beschallung bedienen können. Ohne große Einweisung. Technik setzt sich durch, weil sie einfach in der Anwendung ist.

Danke lieber Thomas!

Lust auf mehr Blicke hinter die Kulissen? Ein Gespräch mit Tom Mikus, unserem heutigen CEO, finden Sie in unserem Magazin.

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