So einfach verbinden Sie Dante® mit einer analogen Beschallungslösung

Ein Plädoyer für mehr Brücken zwischen Dante® und 100-Volt-Technik


Viele Errichter und Planer schließen die Dante®-Technologie von vornherein aus, wenn es darum geht, ältere Beschallungssysteme zu erweitern. Entweder weil sie die Dante®-Technologie als reine IT-Lösung wahrnehmen oder weil sie nicht wissen, dass „digital“ und „analog“ auch zusammen funktionieren. Und es funktioniert nicht nur, es ist auch einfach zu bedienen, sagt Michael Krebbing aus dem Technischen Projektmanagement von MONACOR. Deswegen haben wir hier ein Beispiel für die Verknüpfung der Stärken von Dante® und analoger Beschallungstechnik.

Unser Beispiel-Szenario: Eine Beschallungslösung für mehrere Gebäude auf einem Gelände

Viele Unternehmen haben eine feste Beschallungslösung im eigenen Firmengebäude. In diesem Gebäude sind dann Abteilungen wie die Verwaltung, die Fertigung und das Lager untergebracht. In den meisten Fällen besteht die vorhandene Lösung aus 100-Volt-Lautsprechern und einem Zonen-Mischverstärker. Nun möchte das Unternehmen die Fertigung und das Lager in einem jeweils eigenen Gebäude unterbringen. Fertigung und Lager brauchen aber auch weiterhin eine Beschallungslösung. Hintergrundmusik und Sprachdurchsagen sollen aus dem Hauptgebäude an die Nebengebäude übertragen werden.

Die Frage: Wie setzen wir eine Beschallungslösung für mehrere Gebäude am effizientesten um?

Unsere Lösung: Ein Dante®-Netzwerk einrichten und mit der vorhandenen 100-Volt-Technik verknüpfen

So profitieren Sie von der Stärke beider Technologien:

  1. Eine zukunftsfähige Netzwerkinfrastruktur ist heute oft Bestandteil der modernen Gebäudeverkabelung. Das ermöglicht die Datenübertragung zwischen Haupt- und Nebengebäuden, etwa für Telefonanlagen, Lagerlogistik, Fertigungstechnik oder Warenwirtschaftssysteme. Diese leistungsfähige, gebäudeübergreifende Vernetzung können sie auch für eine Dante®-Audiolösung nutzen. Eine 100-Volt-Anlage bräuchte bei 500 Metern ein zweiadriges Erdkabel. Dieses Kabel müssten Sie vom Hauptgebäude aus separat zu beiden Nebengebäuden verlegen.
     
  2. Würden Sie das Szenario wiederum ausschließlich mit Dante®-Technik umsetzen, bräuchten Sie entsprechende Dante®-Lautsprecher. Eine 100-Volt-Lautsprecher-Lösung ist aber deutlich günstiger und für gewerbliche Beschallungslösungen optimal.

Sie nutzen also Dante®, um Audiosignale über die Distanz in mehrere Gebäude zu übertragen und 100-Volt-Technik für die Verteilung am Einsatzort.

Das könnte beispielhaft so aussehen:

Das ist der Signalweg in unserem Beispiel:

  1. Ein Signalwandler setzt das 100-V-Audio-Signal, etwa ein Musiksignal oder eine Sprachdurchsage, auf Line-Pegel herunter.
  2. Die Dante®-Wandler übersetzen die analogen Audiosignale in digitale Dante®-Signale.
  3. Netzwerkkabel transportieren das gewandelte Signal dann über die Netzwerkinfrastruktur in die neuen Gebäude.
  4. Dort ist ein weiterer Dante®-Signalwandler installiert, der das ankommende Dante®-Signal wieder in den analogen Ausgangszustand zurückwandelt.
  5. Dann verteilt die 100-Volt-Verkabelung das Signal an die 100-Volt-Lautsprecher.

Mit wenigen Klicks: So einfach ist ein Netzwerk aus Dante® und 100-Volt-Beschallung bedienbar

Die Zuordnung im Dante®-Netzwerk, also wer an wen sendet, heißt „Routing“. Dieses Routing führen Sie meist einmalig mit dem Dante Controller durch. Der Dante Controller ist eine Software von Audinate, die übersichtlich die wichtigsten Verwaltungsfunktionen für Dante®-Netzwerke bereitstellt. Als Dante®-Nutzer können Sie sich den Dante Controller hier kostenfrei herunterladen.

Die Zuordnung im Dante®-Netzwerk, also wer an wen sendet, heißt „Routing“. Dieses Routing führen Sie meist einmalig mit dem Dante Controller durch. Der Dante Controller ist eine Software von Audinate, die übersichtlich die wichtigsten Verwaltungsfunktionen für Dante®-Netzwerke bereitstellt. Als Dante®-Nutzer können Sie sich den Dante Controller hier kostenfrei herunterladen.

Dante®-Netzwerke bieten viel Nutzer-Komfort:

  • Der Controller erkennt Dante®-Komponenten automatisch.
  • Der Controller zeigt bei Fehlern immer an, warum etwas nicht funktioniert.
  • Sie können jedes Gerät umbenennen und so eindeutige Namen verteilen.
  • Der Dante Controller muss nicht permanent auf einem PC aktiv sein. Nur wenn Sie das Routing verändern möchten, müssen Sie das Programm öffnen.
  • Die Geräte im Dante®-Netzwerk lassen sich einfach in der Position verändern, das Routing bleibt dabei bestehen.

Zur Orientierung im Netzwerk: Beachten Sie, dass unser Dante®-Netzwerk in diesem Szenario nicht an der Soundquelle beginnt und am Lautsprecher aufhört – denn da nutzen wir ja 100-Volt-Komponenten. Unser Dante®-Netzwerk umfasst nur den Weg zwischen Dante®-Transmitter (im Hauptgebäude) und Dante®-Receivern (in der Fertigung und im Lager).

Wir sehen auf dem Screenshot das Beispiel mit Hauptgebäude, Fertigung und Lager. Dante®-Geräte sind sofort und automatisch sichtbar, wenn sie an den richtigen Netzwerk-IP-Kreis angeschlossen sind.

Ein Dante-Netzwerk mit korrekten Routings (links) und mit einer Fehlermeldung (rechts).

Die jeweiligen Transmitter und Receiver haben wir für unser Beispiel nach den entsprechenden Gebäuden benannt. Die Dante®-Transmitter, also die Sender, sind vertikal dargestellt. Die Dante®-Receiver, also die Empfänger, sind horizontal dargestellt. Die Sender sind jeweils im Hauptgebäude (Out 1 und Out 2), die Empfänger jeweils in Fertigung (Out 2 auf 01/02) und Lagergebäude (Out 1 auf In 1/In 2). Wird eine falsche Verbindung gesetzt, gibt der Dante®-Controller einen Hinweis darauf, wo sich ein Fehler befindet.

Haben Sie ein Dante®-Netzwerk einmal eingerichtet, funktioniert es dauerhaft.

4 Tipps für Ihr 100-Volt-Dante®-Netzwerk

1. Nutzen Sie für größere Dante®-Netzwerke den Multicast Flow

Die Standardeinstellung im Dante®-Netzwerk ist der Unicast Flow. Das bedeutet, Dante® sendet das Audiosignal nur an Geräte, die dieses Signal auch angefordert haben. Das funktioniert gut, wenn Sie genau so viele Ausgangskanäle haben wie Zielgeräte. Je nach verbautem Dante®-Prozessor haben Dante®-Geräte nur eine bestimmte Anzahl an Kanälen zum Senden zur Verfügung. Die Anzahl der Kanäle gibt vor, wie viele Geräte im Unicast-Betrieb angesprochen werden können. Mit einem Multicast Flow sendet Dante® das Audiosignal ins Netzwerk und jedes Dante®-fähige Gerät im Netzwerk kann das Signal für sich abzweigen, ohne die Anzahl der Empfänger zu begrenzen. Das ist wie das Prinzip von Wasserleitungen: Prinzipiell geht das Wasser an alle Ausgänge, fließt aber nur dann, wenn der Wasserhahn aufgedreht ist. Pro Multicast-Kanal der gesendet wird, fällt eine permanente Bandbreite von ca. 2 bis 3 Mbit/s an.

Unicast ist für sehr kleine Netzwerke: zwei Kanäle rein, zwei Kanäle raus. Größere Netzwerke sind effizienter mit Multicast.

2. Netzwerk-Komponenten, die ein Dante®-Netzwerk stabiler machen

Mehr Stabilität in einem Dante®-Netzwerk erreichen Sie durch gemanagte Switches. Aktivieren Sie IGMP Snooping (Internet Group Management Protocol) um eine Multicast-Gruppe zu erstellen. So können Sie den Datenverkehr nur an die Nutzer senden, die ihn auch benötigen. Dadurch werden die Datenpakete gezielt zwischen Quelle und Ziel verschickt, ohne dass das restliche Netzwerk weiter mit Datentraffic belastet wird. Viele ungemanagte Switches sind bei einem hohen Datentraffic überlastet. Das führt möglicherweise zu Aussetzern in der Musik oder im Warenwirtschaftssystem.

 

3. Einstellungen, die ein Dante®-Netzwerk stabiler machen: Latenz und Sample Rate

Wenn Sie die Dante®-Komponenten nur zur Wiedergabe von Hintergrundmusik oder Sprachübertragung nutzen, können Sie die Latenz für Ihr Dante®-Netzwerk auf 5 Millisekunden hochsetzen. Das erhöht die Stabilität unter starker Nutzung. Zur weiteren Reduzierung der Bandbreite im Netzwerk können Sie die Sample Rate (Abtastrate) heruntersetzen. Der Verlust der Tonqualität hält sich dabei sehr in Grenzen.

Achtung: Die Sample Rate muss bei Sender und Empfänger gleich sein.

Der Reiter „Latency“ zeigt die Latenzen im Vergleich zur Datenmenge.

4. Faustregel für Dante®-IP Adressen: Die ersten beiden Blöcke sollten gleich sein

Die vier Zahlenblöcke einer IP-Adresse bezeichnen wir als IP-Kreise. Im Dante®-Bereich sollten die ersten beiden IP-Adresskreise der jeweiligen Geräte gleich sein. Im vierten Zahlenblock hingegen muss sich die IP-Adresse unterscheiden. Wir empfehlen aber in den meisten Fällen, die IP-Adressen per DHCP automatisch zuweisen zu lassen. Sie können eine manuelle IP-Adresse für jedes Gerät vergeben – das ist aber meist nicht nötig.

4. Faustregel für Dante®-IP Adressen: Die ersten beiden Blöcke sollten gleich sein

Die vier Zahlenblöcke einer IP-Adresse bezeichnen wir als IP-Kreise. Im Dante®-Bereich sollten die ersten beiden IP-Adresskreise der jeweiligen Geräte gleich sein. Im vierten Zahlenblock hingegen muss sich die IP-Adresse unterscheiden. Wir empfehlen aber in den meisten Fällen, die IP-Adressen per DHCP automatisch zuweisen zu lassen. Sie können eine manuelle IP-Adresse für jedes Gerät vergeben – das ist aber meist nicht nötig.

Fazit: Dante®-Lösungen erfordern lediglich grundlegendes IT-Know-how und erweitern das Spektrum für Errichter massiv.

Dante® ist eine Technik, mit der sich Errichter beschäftigen sollten. Aufgrund des meist virtuellen Aufbaus einer Dante®-Beschallung können Sie hardwareseitig nichts beschädigen. Ein falscher Klick führt im schlimmsten Falle zu einer Fehlermeldung. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit ist der Dante Controller leicht nutzbar und eröffnet viele neue Möglichkeiten. Wir wünschen jedem Errichter den Mut, sich nicht von ein paar IT-Begriffen abschrecken zu lassen. Dante® kann die 100-Volt-Technik nicht ersetzen – aber häufig sinnvoll ergänzen.

Bildquelle Headergrafik: © MONACOR INTERNATIONAL

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